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Eine Minute

Von Riesen und Kieselsteinen

Ich sitze im Gras. Der Baum über mir hebt sich gegen den strahlend blauen Himmel ab, der Fluss daneben rauscht, die Vögel zwitschern. Neben mir schlummert eine neue Freundin in der Sonne. Ja, ich bin auf dem YiM. Habe genauso wie du schon viele Gespräche hinter mir. Begrüßungen, Umarmungen. Habe vielleicht neben dir Mittag gegessen, deine Wege gekreuzt, ohne dass wir uns kennen...

Jetzt fühlt sich die Welt in Ordnung an. Sicher. Da läuft man Menschen über den Weg, die einen kaum kennen und sich trotzdem trauen, neben dir einzuschlafen. Menschen, die das gleiche glauben wie du. Wie ich. Wie wir alle. Vielleicht fühlt sich so der Himmel an?

Und dann klingelt das Handy. Erinnerst du dich? Heute in der Morgenandacht mit Thomas Knirr? Eine Minute vergeht. 30 Menschen sterben. Milliarden, die noch nie das gehört haben, was dich und mich so frei gemacht hat. Eine Welt da draußen vor dem Himmel auf Zeit, deren Uhr so laut tickt, dass mich dieses Geräusch auf Schritt und Tritt begleitet.

Wie geht es dir dabei? Was hast du gedacht, als du gesehen hast, wie viel Arbeit noch vor uns liegt? Wie der Riese auf uns zumarschiert und uns anbrüllt, wo unser Gott denn ist? Wie du deine Füße in das kalte Wasser gestellt hast, ohne jemals erlebt zu haben, dass es sich teilen würde?

Manchmal höre ich diese Worte über die Welt und fühle mich wie David. Nur ohne den Mut. Da stehe ich vor den Scherben dieser Welt, die sogar Gott blutige Hände gekostet haben und weiß nicht, wo der Anfang ist. Das Ende. Überhaupt. Und der Riese rennt weiter auf mich zu.

Weißt du eigentlich, dass wir genau in diesem Moment am stärksten sind? Dieser Eine, für den wir überhaupt auf das Schlachtfeld gehen, hat gesagt: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen“ (2. Korinther 12,9). Vollkommene Stärke. Da braucht es keine schwere Rüstung mehr, keine ausgefeilten Programme und keine Vorsätze.

Da braucht es nur drei Kieselsteine, von Gott geführt, um den Riesen zu besiegen. Nur einen Schritt. Nur einen Menschen. Ein Gespräch. Jesus hätte die Wahrheit an den Himmel schreiben können. Stattdessen hat er sie zwölf Menschen gezeigt. Wenn das ausgereicht hat, um eine ganze Welt zu erreichen: Warum nicht auch heute?

Und so stehe ich wieder auf. Verlasse den Himmel auf Zeit und trete den Riesen entgegen. Denn meinen Gott gibt es wirklich. Und Er hat sich nie geändert.

Written by Sofia Nelles on Friday, 19 April 2019.
Posted in YiMC 2019